One night in London – Der Paradigmenwechsel – Kontrazyklische Relationsbehandlung -Das billige Koks im Winter

Quickpost this image to Myspace, Digg, Facebook, and others!Zu Beginn sei folgendes bemerkt:
Ich sitze mal wieder in einem Cafe, genieße meine Chai-Latte und habe gerade gemerkt, dass ich keine Bassstunde hatte. Wusste nicht, dass der Pope Urlaub nehmen kann o_O.
Um also meinen Gedanken freien Lauf zu lassen und gleichzeitig fast den letzten Monat zu rekapitulieren werde ich jetzt mal wieder versuchen meine Augen aus dem schlammigen Wasser zu ziehen um etwas Erleuchtung zu erlangen und auch euch etwas anzustrahlen. Nachdem mich diese ganze Weihnachts-Kuschelwohlweich Stimmung wahnsinnig macht, wird dieser etwas andaechtiger.
A.S.:
Ich habe meine Tastatur jetzt auf Deutsch umgestellt um euch in den Genuss von Umlauten sowie er, sie, ß kommen zu lassen. Da ich aber die letzten 4 Monate ausschließlich mit den ausgeschriebenen Umlauten getippt habe kann es mitunter vorkommen, dass ich einen kleines ae oder oe einfließen lasse.
(Wenn man es nicht erlebt hat, dann weiß man überhaupt nicht, wie viele seltsame Buchstaben wir doch benutzen...)
Der letzte Monat hat mich irgendwie in eine seltsame Stimmung versetzt. Es hat sich wiedermal alles irgendwo geändert, meine Freizeit war etwas gekürzt worden wegst Verpflichtungen und anderen Miesepetern. (Sollte öfters gebraucht werden. Schönes Wort!)
One night in London
Zu Beginn dieses Monats habe ich mein freies Wochenende in London verbracht. Ich bin also mit Matt, der in der nähe von London wohnt zu Jane gefahren, meiner lieblings Zeugin Jehovas. Sie hatte mir erlaubt in ihrem Haus zu übernachten, nachdem sie da gerade alleine wohnt bis sie es verkauft hat.
Es war ein erleichterndes Gefühl aus meinem Haus raus zu kommen, nachdem der kleine braunschwarze Gnom namens Arrrbait sich immer in meinem Kopf einnistet wenn ich „zuhause“ bin.
Dementsprechend hab ich auch gleich wieder ein anderes Gefühl von zuhause gehabt, Jane hat mich etwas bemuttert (ultragute Cookies!) und ich habe die Zeit sehr genossen. Habe die meiste Zeit nichts gemacht außer mein Gehirn entlasten, Heroes schauen und am Abend ins Kino gehen.
Das ins Kino GEHEN hat sich als schwierig gestaltet, nachdem Jane kein Internet hat und ich einfach mal auf gut Glück einen Bus nach Downtown genommen hab. Da wo ich die meisten Häuser vermutet hab bin ich ausgestiegen und nach gut männlichem Orientierungsprinzip („also isch geh jetzt einfach ma nach da vorne und dann schau ma weiter“) das Kino gesucht, wo ich die letzten Male war. Zu meiner Verwunderung (ich war optimistisch, aber sowas... :-) hab ich es dann auch nach einer halben Stunde Schneewanderung (ich habe erwähnt, dass es hier seit Anfang November schneit, oder?)
gefunden. Um meinen Abend dann aber doch noch in die Misere zu ziehen hab ich mir „The day the earth stood still“ angeschaut. Um meine Kurzkritik loszuwerden:
Ein Film bei dem man von Anfang an sieht, dass er sehr viel Geld hatte, aber dem man auch ansieht, dass das so ziemlich das einzige ist. Teure Specialeffekte und Schauspieler, viel Schleichwerbung von allen möglichen Technikmarken und das ganze dann noch ein Remake... Wenn man auf apokalyptische Szenarien steht und Remakes mit teuren Schauspielern und einer vermaledeiten Story (Ja, wir wissen, dass wir den Planeten auf dem wir leben zerstören, aber hey, dafür leben wir nur maximal 100 Jahre!) mag, dann kann man sich auch „Krieg der Welten“ anschauen und wenigstens noch einen verwirrten Scientologen auslachen... Kleines panisches Kind und große Roboter mit Laserstrahlen bekommt man in beiden Filmen. Das Ende der Story ist in Krieg der Welten irgendwie lustiger...
Nachdem ich es dann nach Stunden geschafft hatte wieder zu Janes Haus zu kommen (ja, männliches Orientierungsprinzip) hab ich den Schlaf der gerechten geschlafen, weil Janes Haus komplett geräuschlos war.
Samstag habe ich dann auch wieder mit Nichtstun verbracht und bin abends dann zu Matt's Weihnachtsfeier gefahren. Die war alles in allem ganz lustig, gab da Eggnog, sowas wie ein weihnachtlicher Eierlikör, alle möglichen Leute von L'Arche sowie Jasmin, Missy und Pedro, die Stubenmonster von Matt und Marco.
Nach ein paar lustigen runden Rockband (ich bin nicht nur an der Gitarree sondern auch auf den Drums nicht übel XD) haben es dann alle nach Hause oder ins Bett gepackt. Ich habe meine Nacht dann auf einer Isomatte im Wohnzimmer verbracht, wo ich am Morgen von den Stubenmonstern geweckt wurde.
Jasmin (Dackel-Labrador Mischung) hat sich als allererstes neben mich gesetzt um etwas gestreichelt zu werden. Pedro hat dann meine Füße attackiert, und Missy (einäugige Katze) hat sich dann final an meinem Kopf gerieben um gestreichelt zu werden. Naja, immerhin bin ich Sonntag morgen nicht alleine in meinem Bett aufgewacht.( War ein netter Vierer mit der Anmerkung, dass nur 2 von 3 Mitschläfern weiblich waren...)
Der nächste Teil des Monats war dann nicht so interessant, weil wir etwas beschäftigt mit allen Erledigungen usw. waren.
Der Paradigmenwechsel
Gemein war dann nur ein Dienstag Morgen, an dem ich etwas unsanft geweckt wurde (ich war schon auf den Beinen wurde nur mit Information überrumpelt).
Nachdem Falcon letzten Monat etwas unsanft wegen „internen Problemen mit den Autoritäten“ L'Arche verlassen hat und sich ein paar neue Leute für eine Stelle bei L'Arche beworben haben gab es einige Umschichtungen. Beispielsweise kam die Frage auf, wo Chris, ein neuer Assistent hingehen sollte. Da kam dann ich ins Spiel. Unsere Organisatorin hat mich gefragt ob ich nicht das Haus wechseln will, weil bei Maranatha (Falcons altem Haus) eine Stelle frei geworden ist. So, jetzt saß ich also im Sumpf meiner eigenen Zerissenheit.
Ich habe mich mittlerweile sehr gut in Nazareth eingelebt und komme mit allen Core-membern sehr gut aus, kenne ihre Marotten und wie man damit umgehen muss. Mit Dalton, dem schwersten von allen, weil schwer zu verstehen,komme ich sehr gut klar, die Routinen funktionieren usw..
Ich habe angefangen das Haus wirklich gern zu haben, Brians Happypills haben angefangen zu wirken, alle sind in guter Stimmung usw.
Ich hab also viel nachgedacht, hatte zum Glück liebevolle drei Tage Zeit um mich zu entscheiden.
So vieles hat dafür gesprochen zu bleiben, ich kenn mich hier jetzt aus, ich liebe die Leute im Haus, Maranatha ist anscheinend etwas ruhiger (es geht noch ruhiger???) ich weiß nicht genau wie es da wird und ich müsste alles mögliche umschreiben lassen. (Health card usw...)
Naja, gute Punkte für Maranatha waren, dass ich da nicht putzen muss, also immer ab 10 Uhr morgens bis drei Uhr nachmittags frei hab, dass es keinen Nightmonitor gibt, quasi die Schlafqualität verbessern kann und ich noch mehr lernen kann. Die ersten drei Monate sind wie im Flug vergangen, weil ich so viel gelernt habe.
Naja, effektiv hab ich in einer finalen Denksession gegen 12 nachts auf dem Klo dann die Entscheidung getroffen, dass ich wechseln werde.
Ich hatte mich ein paar Sekunden davor entschieden zu bleiben, weil ich jetzt so viel über das Zusammensein mit den Coremembers gelernt habe. Dann hab ich mich gefragt, was es mir nützt, wenn ich es nicht abstrahieren und aufs Leben anwenden kann. Mein Wechsel ist also nicht nur dafür da neues zu lernen, sondern auch um zu testen wie viel ich bis jetzt gelernt hab und wie sinnvoll das ist.
Naja, Januar werde ich dann anfangen, davor darf ich noch die neuen Assistenten in Nazareth trainieren
und dann erstmal Urlaub haben. Soviel zu meiner Verspulung.
Bis jetzt bin ich ganz ok mit meiner Entscheidung gefahren, auch wenn ich viele sehr schöne Momente mit den Coremembers in der Zeit nach meiner Entscheidung gehabt habe, die mich haben zweifeln lassen. Ich hab mich entschieden und werde es jetzt auch machen. Werde zudem nicht nur ein neues Haus, sondern auch eine neue Hausleaderin bekommen... Soviel zu Paradigmenwechsel.
Ich hab von Matt viele gemeine Kommentare bekommen :-), aber wenn alles gut läuft wird er wohl Neujahr mehr in Maranatha arbeiten. Ein anderer Assistent, der einmal die Woche bei uns arbeitet und mit dem ich in letzter Zeit nicht viel gearbeitet hatte, weil er der Ersatz für mich war wenn ich nicht da war hat mich etwas überrascht...
Kontrazyklische Relationsbehandlung
Zu Beginn war er immer extrem respektlos gegenüber neuen männlichen Assistenten, weil er schon seit 28 Jahren für L'Arche Stratford arbeitet. Er kam immer arrogant rüber, hat extreme Ticks die meist sehr sehr unterschiedlich zu der Art und Weise wie jeder andere arbeitet waren und kann sehr anstrengend sein. Nachdem ich also meistens am morgen dieses Gefühl von „Oh Gott, heute muss ich schon wieder mit dem Arbeiten“ gehabt habe, hab ich angefangen darüber nachzudenken und bin zu dem Schluss gekommen, dass genau dieses Denken alles nur noch schlimmer macht. Wenn mir jemand gesagt hat, der hat Ticks, dann wartet man drauf, lässt diese Kritikpflanze wachsen und gießt sie bei jeder Gelegenheit...
Also war es Zeit kontrazyklisch zu handeln.(Alter Wirtschaftstrick...)
Ich hab also angefangen immer nur auf die guten Sachen zu achten, Interesse an seinen Ideen zu zeigen und je mehr ich ziemlich christlich, buddistisch, islamisch, wasweisichtisch gehandelt habe, desto mehr hab ich gesehen, dass es funktioniert. Ich hab also angefangen meinen Feind zu lieben (naja, auf eine kollegiale Art und Weise) und es kling etwas kitschig und ja, ich weiß es auch, aber nachdem ich das unter extrem großer Anstrengung über ein paar Wochen gemacht hab hat es angefangen Früchte zu tragen. Nach einem extrem verspulten Tag, an dem nur er und ich da waren und an dem ich mein bestes gegeben habe den Überblick zu behalten, hat er wirklich Respekt vor mir gewonnen. Alles war völlig durcheinander, weil ein paar Personen wegen Schneesturm nicht kommen konnten und es zwei verschiedenen Events an dem Abend gab die unseren Zeitplan geschmälert haben.
Da hab ich dann erkannt, dass er ziemlich hilflos sein kann, gerade eben WEIL er die 28 Jahre Erfahrung hat. Die wichtigsten drei Beamtensätze „da kann ja jeder kommen, das haben wir noch nie so gemacht und das war schon immer so“ haben an dem Tag nicht gegolten, weil wir einfach was neues gebraucht haben.
Nachdem alles gut gelaufen ist, wir ein wirklich gutes Fazit hatten, hat er mich anders behandelt. Ich dachte bis vor ein Paar Tagen immernoch das diese Person nicht unbedingt negativ aber auf keinen Fall positiv mit mir ist. Mir wurde also erzählt, dass er sich darüber geäußert hat, dass jemand anderes immer mit mir arbeiten darf und er nicht. (Hatte Plantechnische Gründe, war nix persönliches)
Als wir dann vorgestern über meinen Wechsel geredet haben, hat er nur gemeint, dass er es sehr bedauert und hat dann noch in einem abwertenden Tonfall hinzugefügt „aber wenn es das beste für dich ist“
x-D
Mag immernoch faquer klingen, aber in unserer Situation war das schon ein ziemlich großes Lob. Die Arbeit läuft jetzt wesentlich besser und ich denke man sollte gehen wenn es am besten ist.
Testen meiner Skills, remember?
Das billige Koks im Winter
Die Weihnachtsvorbereitungen sind jetzt alles in allem abgeschlossen, unser Haus ist von außen nicht als weihnachtliches Haus erkennbar, ich bin also einigermaßen zufrieden. (Wenn wir Zeit finden, werden Markus und ich um die Häuser ziehen und mal ein paar Grausamkeiten dokumentieren...)
Die Geschenke sind gekauft, die Coremembers sind ganz wuschig („No, Santa Claus will come in 4 days!“) und ich bin ganz aufgeregt wegen meinem Skiurlaub.
Dieses Wochenende hat es pünktlich zum Winterbeginn dann noch schön zu stürmen angefangen und wir haben jetzt einiges an Schnee und Kälte. Mom, du würdest verzweifeln. Nach einigem Schneeschippen und ca. einem halben Meter Schnee seit Freitag haben wir sicherlich weiße Weihnacht.
Ich kann euch ein Paar Flaschen Schnee schicken.
Frohe Weihnachten und ein gutes neues!
Seid nett zu eueren Nachbarn, macht nicht mehr als zwei Kinder und lernt stricken.
So long!
P.S.: Danke fuer (hab die Tastatur wieder umgestellt) die Kommentare, freut mich, dass ich euch nicht zu lange das Ohr abtippe.
r3d1st - 22. Dez, 16:07
Du hast ein Leben!
Hier in good old Krautland herrscht der allweihnachtliche Zuneigungskrieg in 25 Akten. Nachdem dein blöder blog meinen letzten Kommentar (ich hab 10 minuten zum lesen und 20 zum schreiben gebraucht) gefressen hat- fass ich mich jetzt kürzer:
Halt die Ohren steiff und feier noch deine letzten ruhigen Tage bevor der Allmächtige und ich bei Dir ins Land einfallen! Zieh Dich schonmal warm an, jetzt ist dein monatelanger Urlaub vorbei! ;-)
c ya in Calgary!
P.S.: Wenigstens wissen bei Dir die Leute im Haus um ihre Macken... Ich dreh am Rad!